Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die Landeskunde Deutschland 2016, die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

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  • Bürgerinitiative
  • Zu Seite 89: Bürgerinitiativen

    Seit dem 1. April gibt es die Europäische Bürgerinitiative. Sie ermöglicht 500 Millionen Bürgern der EU, in Brüssel Einfluss zu nehmen. 1 Million Bürger aus 7 Staaten können mit ihrer Unterschrift die Kommission auffordern, ein Gesetz in Gang zu setzen. Es geht zum Beispiel um die Wasserversorgung in Europa, die öffentlich bleiben soll, oder um die Landwirtschaft, die vor Genmanipulation geschützt werden soll. Die Hürden sind allerdings hoch, das Verfahren kostet Geld und die Kommission kann auch ablehnen, aber ein Gewinn für die Demokratie ist die Initiative auf jeden Fall. Vorausgesetzt, die Bürger werden auch ausreichend informiert darüber.

  • Bahnverkehr
  • Zu Seite 149: Verkehrswege Die Bahn ist nachgewiesen das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. „Mehr Verkehr auf die Schiene“ ist deshalb das Ziel der Politik. Das betrifft besonders den weiter steigenden Güterverkehr.

    1994 wandelte die Bahnreform die ehemaligen Staatsbahnen in eine Aktiengesellschaft um. Es entstand die Deutsche Bahn AG als erster Schritt der Privatisierung.

    Auf den Schienen unterwegs sind ICE(= Intercity Express)-Züge, die auch grenzüberschreitend fahren, IC (Intercity)-Züge zwischen den großen Städten, Regionale Züge und private Zugverbindungen auf Nebenstrecken.

    In Nahverkehrszügen, S- und U-Bahnen können vielfach Fahrräder transportiert werden. Ein Fahrradzeichen an den Zügen weist darauf hin.

  • BAMF
  • Zu Seite 20: Das Krisenjahr 2015

    Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird kurz das BAMF genannt. Es sitzt in Nürnberg und hat Außenstellen in allen Bundesländern, um kurze Wege zu garantieren. Die Außenstellen entscheiden über Asylanträge und Abschiebeschutz, informieren und koordinieren die Integration von Zuwanderern (Integrationskurse, Deutschkurse für den Beruf usw.).

  • Betreuungsgeld
  • Zu Seite 64: Die Frau, Familie und Beruf

    Das Betreuungsgeld ist eine soziale Leistung des Staates für Eltern, die ihr ein bis zu drei Jahre altes Kind nicht in eine Kinderkrippe geben, sondern zu Hause erziehen. Damit soll die Erziehungsleistung der Eltern, also der Mutter oder des Vaters, honoriert werden. Das neue Gesetz wird am 1. August 2013 eingeführt, gleichzeitig mit dem Rechtsanspruch der Eltern auf einen Kitaplatz.

    Das Betreuungsgeld wird auch Hausfrauengehalt oder kritisch Herdprämie genannt. Dem Gesetz ist eine lange politische Auseinandersetzung vorausgegangen, wobei das Für und Wider quer durch die Parteien ging. Kritiker, auch besonders viele Frauen, betonen, dass das Betreuungsgeld überholt sei und nicht dem Wohl des Kindes diene. Die wichtige frühkindliche Erziehung von Kleinkindern, besonders die Integration von Kindern aus Migrantenfamilien, würde in einer Kita besser gefördert als zu Hause. Befürworter betonen dagegen, dass Eltern eine Wahlmöglichkeit

  • Betriebliche Bündnisse
  • Betriebliche Bündnisse für Arbeit sind in aller Munde. Betriebe sollen selbst über Löhne und Arbeitszeiten entscheiden können, unabhängig von Tarifverträgen. Geschlossen werden diese Bündnisse zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung. Als Gegenleistung für Sparmaßnahmen werden Standort- und Beschäftigungsgarantien verabredet. Innerbetriebliche Konflikte haben dennoch vor allem in Großunternehmen - Mercedes, Opel, Siemens, Volkswagen - zugenommen. Wenn immer neue Konzessionen gefordert werden müssen und ein Bündnis auf das andere folgt, nimmt das Vertrauen auf Arbeitsnehmerseite ab, während Arbeitgeber deutlich konfliktbereiter verhandeln.

  • BFD
  • Zu Seite 70: Jugendliche heute

    = der Bundesfreiwilligendienst
    Am 1. Juli 2011 startete der neue Bundesfreiwilligendienst (BFD). Der BFD tritt an die Stelle des Zivildienstes, der zusammen mit der Wehrpflicht zum 30. Juni 2011 ausgesetzt wurde. Zuletzt waren Ende Juni rund 19.700 Zivis im Dienst. Dem gegenüber konnten zum 1. Juli bisher mehr als 17.300 Freiwillige gewonnen werden. Darin eingeschlossen sind allerdings 14.300 Zivildienstleistende, die freiwillig ihren Dienst verlängert haben.

    Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist ein Angebot an alle Bürgerinnen und Bürger, ob Jung oder Alt, sich außerhalb von Beruf und Schule für einen Zeitraum zwischen sechs und 24 Monaten in sozialen, kulturellen, ökologischen oder anderen gemeinwohlorientierten Tätigkeitsfeldern zu engagieren – sozialversichert und professionell begleitet.

    Der Bundesfreiwilligendienst bietet eine große Spannbreite von Tätigkeiten. Das Angebot der Stellenbörse auf der Internetseite zum Bundesfreiwilligendienst umfasst bereits mehr als 18.500 Plätze bundesweit - vom ökologischen Weinbau über Sportbegleitung behinderter Kinder bis hin zum Vorlesen im Pflegeheim. Der Bund unterstützt die Einsatzstellen mit bis zu 550 Euro pro Freiwilligen.

    Der BFD ist damit ein weiterer Freiwilligendienst neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), die für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahren eingerichtet wurden. Das Engagement in Deutschland ist groß, dennoch bleibt zu fragen, ob die Zahl der Dienste nicht besser zusammengefasst werden könnte.

  • BIK (Berufsschule)
  • Zu Seite 98: Schule und Studium

    Es wurde durchaus eine Menge in Bewegung gesetzt, um jungen Asylbewerbern und Flüchtlingen zu helfen. BIK steht für Berufsintegrationsklassen an öffentlichen beruflichen Schulen in Bayern. Sie wurden für Schülerinnen und Schüler vor den Beginn einer Berufsausbildung oder einer weiterführenden Schule eingerichtet. Lernen darf, wer mindestens drei Monate in Bayern lebt. Und gelernt wird in Bayern bis 21 Jahre, in anderen Bundesländern nur bis 18 Jahre. Die Berufsintegrationsklassen dauern 2 Jahre: 1 Jahr für den Sprachunterricht, das 2. Jahr zusätzlich eine Orientierung für den Beruf. Dann können ein berufliches Übergangsjahr und schließlich eine Lehre beginnen. Die 3+2-Regelung sieht so aus, dass während der Lehre (3 Jahre) und zwei Jahre danach nicht abgeschoben werden darf. Die Anstrengungen und das Engagement für Lehrer - viele hatten sich zum Berufsschullehrer ausbilden lassen - und die Hoffnungen der Schüler waren groß, die Realität allerdings ist teilweise ernüchternd. Trotz guter Noten ist eine Abschiebung möglich geworden.

  • bildungsfern
  • Oft gebrauchtes Wort in Bildungsdiskussionen, besonders in Zusammenhang mit der Analyse der PISA-Studien. Bildungsfern bedeutet "bildungsungewohnt " bzw. "ungebildet ". Das Wort wird für Personen benutzt, die keinen oder nur einen geringen Schulabschluss haben und einer Familie der unteren sozialen Schicht angehören.

    Kritik wird dahingehend geübt, dass Kinder aus "bildungsfernen " Familien durch das Bildungssystem in Deutschland benachteiligt sind, das keine Chancengleichheit herstellt. Die OECD (= Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sieht die Ursachen hierfür vor allem in dem dreigliedrigen Schulsystem, das die Kinder schon nach vier Jahren Grundschule auf bestimmte Schultypen festlegt und damit einen Teil der Kinder von einer höheren Schulbildung ausschließt.

  • Biosprit
  • Biosprit ist eine Bezeichnung für a) Biodiesel und b) Bioethanol als Benzinersatz. Seit Anfang 2007 wird Biosprit den Kraftstoffen Benzin und Diesel beigemischt. Dadurch wird Rohöl eingespart, die Umwelt geschont und die Importabhängigkeit gemindert.

  • Bleiberecht
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    Das Bleiberecht ist eine Aufenthaltserlaubnis für Langzeit-Geduldete und gut integrierte Ausländer, die sich schon länger in Deutschland aufhalten. Nach acht Jahren Aufenthalt soll das Bleiberecht gewährt werden. Für Familien mit minderjährigen Kindern soll der legale Aufenthalt bereits nach sechs Jahren gelten. Voraussetzung ist, dass die Personen ihren Lebensunterhalt selbst sichern können, Deutsch gelernt haben und nicht straffällig geworden sind. Jugendliche, die vier Jahre erfolgreich zur Schule gegangen sind, haben gute Aussichten auf ein Bleiberecht.

  • Bologna-Prozess
  • In der Erklärung vom 19. Juni 1999 steckten die europäischen Bildungsminister die Ziele für die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes ab:

    1. Die Einführung eines Systems vergleichbarer Abschlüsse.
    2. Die Einführung eines Systems, das auf zwei Hauptzyklen beruht, dem Bachelor- und dem Master-Studium.
    3. Die Einführung eines Leistungspunktesystems.
    4. Die Förderung der Mobilität für Studierende, Lehrer, Wissenschaftler und Verwaltungspersonal.
    5. Die Qualitätssicherung.
    6. Die Förderung der europäischen Dimensionen in Bezug auf Curriculums-Entwicklungen und Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen.

    Die Zielvorgabe der deutschen Umsetzung des Bologna-Prozesses besagt, dass Studierenden im Jahr 1.800 Arbeitsstunden für ihr Studium aufzuwenden haben. Diese workload ergibt sich daraus, dass Studierende 40 Stunden pro Woche für ihr Studium aufwenden sollen und dies in 45 Wochen das Jahres (d.h. es werden sechs Wochen Urlaub und eine Woche Krankheit pro Jahr zugestanden). Bei der Berechnung der workload wird davon ausgegangen, dass Studierende weder erwerbstätig sind („jobben“ oder als „Werkstudenten“ arbeiten) noch erhebliche Zeitanteile für gesellschaftliches, politisches oder familiäres Engagement aufwenden.

    Aus Protest gegen die Folgen des Bologna-Prozesses – insbesondere die Ökonomisierung der Bildung, die Verschulung sowie Zugangshürden für Master-Studien – gibt es in zahlreichen europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland und Österreich seit Jahren immer wieder Demonstrationen, Universitätsbesetzungen und auch Streiks.

  • boomen
  • etwas boomt, boomte, hat geboomt = einen Aufschwung erleben, blühen, florieren. Beispiel: Die Wirtschaft boomt.

    Nomen: der Boom = der Aufschwung, die Blüte, die Hochkonjunktur. Beispiel: Nach dem Abschwung erlebte das Land wieder eine Boomphase.

  • Braunkohle-Tagebau
  • Zu Seite 148: Alternative Energien und Klimaschutz

    Die Braunkohle war lange Zeit der Energieträger Nummer eins in Deutschland. Sie ist im Rheinland, im Gebiet Halle – Leipzig und in der Lausitz (Brandenburg) reichlich vorhanden. Dann wurde sie verdrängt von den alternativen Energien wie Sonne und Wind. Heute ist sie nach wie vor ein Faktor im Energiemix; Energiekonzerne versuchen, sie auszubauen, um den Übergang zu alternativen Energien abzusichern.

    Die Nachteile liegen auf der Hand. Die Verstromung (= Erzeugung von Strom) fossiler Energieträger, besonders der Braunkohle, ist besonders klimaschädlich und trägt zum Klimawandel bei. Der Braunkohle-Tagebau zerstört ganze Landschaften. Dörfer müssen dem Abbau weichen. So geschieht es in der Lausitz (Mark Brandenburg) und in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen).

    Das Bundesverfassungsgericht stärkte im Dezember 2013 die Rechte der Betroffenen gegen Enteignung und Umsiedlung, stellte aber fest, dass der Abbau mit dem Grundgesetz übereinstimme. Es ginge um den Energiemix und das Wohl der Allgemeinheit. Die Bürger können sich bereits in der Planungsphase wehren, ihre Belastungen müssen bei Entscheidungen berücksichtigt werden. Doch: Ein Recht auf Heimat gibt es nicht. Das hat auch ein Kläger erfahren, der 13 Jahre lang gegen einen Konzern um den Erhalt seines Hauses gekämpft und zuletzt verloren hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Braunkohle am Ende keine Zukunft hat und Umwelt- und Landschaftsschutz sich durchsetzen.

  • Bufdi
  • Zu Seite 70: Jugendliche heute

    der Bufdi, die Bufdis: Abkürzung für Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes, der 2011 anstelle des Zivildienstes eingerichtet wurde. Der Zivildienst war mit dem Auslaufen des Wehrdienstes beendet worden. Der Bufdi steht für alle Altersgruppen offen (ab 16 Jahren). Junge Freiwillige können praktische Erfahrungen sammeln und etwas für die Gesellschaft tun, ältere Freiwillige können ihre Erfahrung einbringen. Einsatzmöglichkeiten gibt es in Werkstätten für Behinderte, Altenpflegeheimen, Kindergärten, in der Jugendarbeit, in Diakonie- und Sozialstationen.

  • Bundesversammlung
  • Die Bundesversammlung wählt alle 5 Jahre den Bundespräsidenten (zuletzt am 23. Mai 2009 Wiederwahl von Horst Köhler).

    Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Deutschen Bundestags und einer gleichen Zahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder (Landtag, Abgeordnetenhaus, Bürgerschaft) gewählt werden. Die Bundesversammlung ist damit die größte parlamentarische Versammlung der Bundesrepublik Deutschland.

    Zur Bundesversammlung ist wählbar, wer zum Bundestag wählbar ist. Regelmäßig werden neben den Spitzenpolitikern der einzelnen Länder auch ehemalige Politiker, Prominente, Sportler und Künstler gewählt. Die Mitglieder der Bundesversammlung sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden.