Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die "Landeskunde Deutschland 2018", die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
  • Föderalismusreform
  • Die Föderalismusreform, eine Staatsreform, ist eine Neuordnung der Kompetenzen und Finanzen von Bund, Ländern und Gemeinden. Beschlossen vom Bundestag im Juni und vom Bundesrat im Juli 2006 ist die Föderalismusreform Teil 1, die am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist.

    1. Der Bundesrat muss nur in ca. einem Drittel der Gesetze zustimmen anstatt bisher in zwei Drittel. Der Staat wird dadurch schneller.
    2. Dafür bekommen die Bundesländer mehr Rechte u.a. in der Bildung: Sie bestimmen den Ausbau der Ganztagsschulen und die Zulassung zum Studium.
    3. Der Bund ist für die Bildungsforschung und Studien wie PISA verantwortlich. Die Bedingungen von Bundesland zu Bundesland können sich von nun ab unterschiedlich entwickeln.

    Der Bund hat Rechte an die Länder abgegeben, um sich Zugeständnisse bei der Abstimmung im Bundesrat zu sichern. Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass die Verlagerung von Kompetenzen auf die Länder z.B. im Bildungsbereich unbefriedigend ist. Vorschläge auf Ministerebene werden schwer durchsetzbar.

    Teil 2 der Föderalismusreform betriff die Verteilung der Finanzen zwischen Bund und Ländern und zwischen den Ländern.

  • Fahrradverkehr
  • Zu Seite 149: Verkehrswege

    Das Fahrrad ist in Deutschland ein beliebtes Verkehrsmittel. 57% der Deutschen fahren mehr oder weniger oft Fahrrad, 72% besitzen ein Fahrrad. Familien stehen im Durchschnitt 2,4 Fahrräder pro Haushalt zur Verfügung. Die meisten entscheiden sich für ein City-Rad, dann folgen Mountainbikes und Trekkingräder. E-Bikes und Pedelecs bevorzugen vor allem ältere Verkehrsteilnehmer. Durchschnittlich werden fast 700 Euro für ein Rad ausgegeben.

    Man macht gern seine Einkäufe mit dem Fahrrad, macht kurze Erledigungen oder Ausflüge. Am Wochenende sind Familien, Freunde oder sportlich Begeisterte auf den gut ausgebauten Wegen in landschaftlichen schönen Gegenden unterwegs. Und wer es nicht zu weit zur Arbeit hat, benutzt auch hier das Fahrrad, oft in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln. An S- und U-Bahnstationen gibt es Abstellmöglichkeiten, die leider oft nicht ausreichen. Innerhalb der Städte sind Radwege eingerichtet worden.

    Fahrradbegeisterte wünschen sich von der Politik den Ausbau weiterer Radwege sowie sichere Abstellanlagen.

  • faken (ugs.)
  • jemand fakt etwas, hat etwas gefakt; etwas ist gefakt. Seit einigen Jahren häufig gebrauchtes umgangssprachliches Verb, besonders bei jüngeren Leuten. Bedeutung fälschen, fingieren, nachmachen, vortäuschen. Beispiel: Das Interview ist nicht echt, das ist gefakt. – Sein Name im Internet ist gefakt.

    Nomen: der oder das Fake = Betrug, Fälschung, Schwindel.

  • Familienpflegezeit
  • Zu Seite 76: Die Zukunft gehört den Alten

    Seit Januar 2012 gibt es die Familienpflegezeit. Arbeitnehmer können 2 Jahre lang ihre Arbeitszeit auf 15 Stunden wöchentlich reduzieren und sich um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern. Sie bekommen in der Zeit 75% ihres letzten Bruttoeinkommens. Wenn sie dann wieder Vollzeit arbeiten, müssen sie den Vorschuss abarbeiten. Problematisch an der Reform bleibt allerdings, dass der Arbeitgeber zustimmen muss.

  • Fernbusverkehr
  • Zu Seite 149:Verkehrswege

    Bis 2013 durften in Deutschland parallel zu Strecken, die von der Bahn angeboten werden, keine Busse fahren. Dieses Monopol wurde abgeschafft. Seitdem sind viele Busunternehmen im Fernlinienverkehr entstanden. Die große Konkurrenz und die billigen Tickets führen dann zur Marktbereinigung: Unternehmen verschwanden, anderen schlossen sich zusammen. Viele Fahrgäste kommen von der Bahn, andere steigen vom Auto in den Bus um.

    Im Umweltvergleich schneidet der Bus noch besser als die Bahn ab, da er besser ausgelastet ist. Jede Fahrt mit Bus und Bahn reduziert also den CO2-Ausstoß gegenüber der Fahrt mit dem Auto, das im Durchschnitt nur mit 1,5 Personen besetzt ist.

  • festzurren
  • zurrt fest, zurrte fest, hat festgezurrt = schnüren. Beispiel: Das Datum ist von Bund und Ländern festgezurrt worden. (endgültig festgelegt)

  • FFH-Richtlinie
  • Abkürzung für die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Diese Richtlinie besagt, dass mindestens 11 % der Fläche eines Landes als schutzwürdig nach Brüssel gemeldet werden müssen. Tatsache ist jedoch, dass dies oft nur zögerlich geschieht. Besonders dem Straßenbau wird vielfach der Vorrang gegeben.

  • Flüchtling
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    der Flüchtling, die Flüchtlinge: Flüchtlinge sind "Personen, die aus begründeter Furcht vor Verfolgung ihrer Person wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung" Schutz in einem anderen Land suchen (Genfer Flüchtlingskonvention). Die Bezeichnungen "Flüchtlinge" und "Asylberechtigte" gelten für Menschen, die schon Schutz besitzen: Flüchtlinge durch den Flüchtlingsschutz der Genfer Konvention und Asylberechtigte durch das Asylrecht im Grundgesetz.

  • Flexi-Quote
  • Eine Frauenquote in Unternehmen scheint im Augenblick politisch nicht durchsetzbar zu sein; deshalb kommt die vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgeschlagene Flexi-Quote wieder in Gespräch. Sie soll ebenfalls gesetzlich geregelt werden. Im Gegensatz zu einer festen Quote überlässt sie es den an der Börse notierten Unternehmen, die Höhe der Quote und den zeitlichen Stufenplan für den Aufsichtsrat und den Vorstand festzulegen.

    Die Flexi-Quote soll für einen höheren Anteil von Frauen in Top-Positionen sorgen, aber die Unterschiede der Unternehmen und Branchen berücksichtigen. Wenn 30% Frauenanteil erreicht sind, soll die gesetzliche Selbstverpflichtung entfallen.

    Bisher haben freiwillige Verpflichtungen allerdings nicht zu dem erhofften Erfolg geführt.

  • floppen
  • etwas floppt, floppte, hat/ist gefloppt. Umgangssprachlich häufig gebrauchtes Verb. Bedeutung: misslingen, ein Flop/Misserfolg sein. Beispiel: Der neue Film hat auf dem Festival gefloppt.

  • floppen (ugs.)
  • etwas floppt, floppte, hat gefloppt. Umgangssprachliches schwaches Verb. Bedeutung: misslingen, scheitern, fehlschlagen. Beispiel: Der Film hat leider gefloppt. Die Besucherzahlen waren gering.

    Nomen: der Flop = der Misserfolg. Beispiel: Der Film war ein Flop.

  • Flugverkehr
  • Zu Seite 149: Verkehrswege

    Der Flugverkehr gilt als relativ klimaschädlich, weil die Flugzeuge ihre Emissionen in größeren Höhen ausstoßen. Deshalb wird der direkte CO2-Ausstoß im Allgemeinen mit dem sogenannten RFI-Faktor (Radiative Forcing Index) multipliziert und so der Klimaschaden errechnet. Der Passagier- und Frachtverkehr hat von Jahr zu Jahr zugenommen.

    Innerhalb der EU ist der Flugverkehr in den Emissionshandel einbezogen. Seit Anfang 2011 gilt für Passagierflüge auch eine Luftverkehrssteuer. Eine Kerosinsteuer wird seit Jahren gefordert.

    Bürger organisieren sich in zahlreichen Bürgerinitiativen gegen Fluglärm und gegen den Ausbau der Flughäfen, die im Besitz von Bund, Ländern und Kommunen sind. Ein einheitliches Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr morgens ist eine der Forderungen.

    Die Deutsche Lufthansa AG mit Sitz in Köln ist eine der größten Fluggesellschaften weltweit: gegründet 1926 in Berlin, aufgelöst 1945, neu gegründet 1953. Das Luftfrachtgeschäft betreibt die Tochtergesellschaft Lufthansa Cargo AG. Lufthansa Flight Training sind international anerkannte Schulungszentren für Piloten und Flugbegleiter.

  • Fracking
  • Zu Seite 148: Alternative Energien und Klimaschutz

    Alle sind dagegen: Die Wasserwerke wegen des Grundwassers, auch die Bierbrauer und die Umweltverbände und die Bürger sowieso. Fracking ist in Deutschland negativ besetzt.

    Die Ministerien für Umwelt und Wirtschaft haben inzwischen einen Kompromiss gefunden: Das riskante Fracking mit viel Chemie und großem Druck soll bis zu einer Tiefe von 3000 Metern verboten werden. Damit ist Fracking vorerst out. Im Jahr 2021 soll das Verbot überprüft werden.

    „Gefrackt“ wird allerdings schon länger konventionell: Das konventionelle Fracking in Deutschland geschieht mit hydraulischem Druck und hilft bei der Gewinnung von Erdgas, Trinkwasser und Erdwärme in ca. 3700 m Tiefe. Dazu ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig.

  • Frauenquote
  • Zu Seite 65: Die Frau, Familie und Beruf

    die Frauenquote: In Führungspositionen des öffentlichen Lebens, in Verwaltung, als Professorinnen und in den Top-Etagen der Privatwirtschaft und auch auf mittlerer Führungsebene sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Große Unternehmen hatten sich zwar 2001 verpflichtet, den Frauenanteil zu erhöhen, doch es veränderte sich kaum etwas. Die Frauenquote kam wieder ins Gespräch.

    Die Quote findet Anhänger und Gegner, unter Männern wie auch unter Frauen. Zuletzt hat sich EU-Justizkommissarin Viviane Reding für eine Quote stark gemacht: für mindestens 40% Frauen in den Aufsichtsräten in der gesamten EU bis 2020. Sie scheiterte in der Kommission. Die Quote findet in vielen EU-Ländern keine Mehrheit. Auch in Deutschland gibt es keine einheitliche Haltung: Die Arbeitsministerin ist für eine gesetzliche Quote, die Frauenministerin vertritt die sogenannte Flexi-Quote. (d.h.: Börsennotierte Unternehmen sollen verpflichtet werden, selbst eine Frauenquote festzulegen, die innerhalb einer bestimmten Zeit erreicht werden soll.)

    Was wichtig wäre:

    • Um wirklich Einfluss nehmen zu können, müssten Frauen vor allem auf Vorstandsposten aufrücken.
    • Förderprogramme für qualifizierte Frauen würden Unternehmen entgegenkommen, die gerne Frauen im Management hätten.
    • Verschiedene Branchen brauchen unterschiedliche Fristen, um eine Quote umzusetzen.
    • Tradierte Rollenbilder müssten verschwinden.

  • Frontex
  • Zu Seite 145 Die organisierte Sicherheit

    Frontex ist die europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Ihr Sitz ist in Warschau. Sie wurde 2004 durch eine Verordnung des Rates der Europäischen Union gegründet. Ihre Gründung ist eine Folge des Schengen-Abkommens (1995), durch das die innereuropäischen Grenzen aufgehoben wurden.

    Ihre Aufgaben sind die Koordination der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten zum Schutz der Außengrenzen; sie koordiniert die Einsätze und unterstützt Rückführungsaktionen. Sie soll einen Beitrag zur Bekämpfung der Kriminalität wie Schlepperei, Drogenhandel und illegale Migration an den Grenzen leisten.

    Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Verletzung von Flüchtlings- und Menschenrechten in der Mittelmeerregion und sehen Frontex als Teil der Probleme an Europas Grenzen an. Befürworter von Frontex meinen, dass durch sie Tragödien verhindert werden können. Tatsache ist, dass das Problem der Grenzen ungelöst ist und dass ständig Menschen ihr Leben verlieren, die auf abenteuerliche Weise Europa erreichen wollen.