Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die "Landeskunde Deutschland 2018", die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
  • G-7 G-8 G-20
  • Zu Seite 139: Made in Germany

    Die G-7 (= Gruppe der Sieben) ist ein informelles Forum der Staats- und Regierungschefs aus sieben wichtigen Industrieländern. Sie treffen sich jährlich und stimmen gemeinsame Positionen zu globalen politischen Fragen ab, zu Wirtschaft, Sicherheitspolitik, Entwicklung, Klima.

    Zu den G-7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, die USA, Kanada, die EU.

    Das Treffen der G-8 (Gruppe der Acht inklusive Russland) hat 2014 in Sotschi wegen der Ukrainekrise nicht staatgefunden. Stattdessen trafen sich die G-7 ohne Russland in Brüssel.

    Die G-20 (Gruppe der Zwanzig) besteht seit 2009, als Reaktion auf die Finanzkrise der Neunzigerjahre. Sie ist das informelle Forum von 19 bedeutenden Industrie- und Schwellenländern sowie der EU, die sich über wirtschafts- und finanzpolitische Fragen abstimmen. Die G-20 repräsentieren drei Viertel des Welthandels und zwei Drittel der Weltbevölkerung.

    Dazu gehören: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, die Türkei, die USA und die EU.

    Viele Fragen stellen sich: Wer ist heute in der Lage, die Weltwirtschaft zu steuern und international für Sicherheit zu sorgen? Welchen Einfluss haben die alten Industrieländer? Wie können Krisen entschärft werden?

  • Gastarbeiter - Mitbürger - Zuwanderer
  • Wörter spiegeln eine Entwicklung und sprechen ihre eigene Sprache.

    der Gastarbeiter, die Gastarbeiter:
    Ende der fünfziger Jahre und in den sechziger Jahren blühte die Wirtschaft, man sprach vom "deutschen Wirtschaftswunder ". Arbeitnehmer für gering qualifizierte Tätigkeiten fehlten; deshalb wurden seit 1955 bilaterale Anwerbeabkommen abgeschlossen. Gastarbeiter kamen zuerst vor allem aus Italien, Spanien, Portugal und Jugoslawien, dann aus Griechenland und der Türkei und trugen wesentlich zum Wirtschaftswachstum bei. Die meisten wollten nur kurz bleiben, waren ohne Familie gekommen und sahen sich in der Rolle eines Gastes. 1964 wurde der einmillionste Gastarbeiter, ein Portugiese, feierlich begrüßt. Inzwischen sind viele in der dritten und vierten Generation in Deutschland, zum großen Teil noch mit einem ausländischen Pass.

    der ausländische Mitbürger, die ausländischen Mitbürger:
    Unter dem Bundeskanzler Willy Brandt (1969-1974) änderte sich die Sprache: Die Arbeiter waren willkommen und sollten zu Mitbürgern werden und ihre Familien nachholen. Im Rahmen der heutigen Integrationsbemühungen ist dieser Ausdruck weiterhin gebräuchlich.

    der Migrant, die Migranten / der Zuwanderer, die Zuwanderer:
    Seit der Jahrtausendwende reflektiert die Sprache auch die Stagnation der Wirtschaft und die Angst vor Arbeitslosigkeit. Arbeiternehmer, die in Deutschland Beschäftigung suchen, werden zu Arbeitsmigranten, zu Wandernden zwischen den Ländern. Zuwanderer, die dauerhaft in Deutschland bleiben wollen, werden strengen Aufnahmekriterien unterworfen. Zuwanderung wird im Zuwanderungsgesetz geregelt.

  • Gefährder
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    der Gefährder, die Gefährder: Das Wort wird erstmalig 2007 in einem SPIEGEL-Interview benutzt und ist seit den Terroranschlägen 2015 in den Medien präsent. "Gefährder" sind Personen, von denen Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen kann und von denen anzunehmen ist, dass sie Straftaten begehen könnten, einschließlich Terrorakten.

    Gefährder werden bei den Sicherheitsbehörden geführt, ebenso relevante Personen, die dem näheren Umfeld zuzurechnen sind. Abschiebung und Sicherheitsverwahrung müssen geklärt werden. Rückkehrer aus Kriegsgebieten werden überwacht; die Zahl der Personen, die in Kriegsgebiete ausreisen, ist zurückgegangen.

  • Geld-gegen-Reformen-Prinzip
  • Zu Seite 143: Die EU und Europas Krisen

    Die Kreditgeber – EU-Kommission, IWF (Internationaler Währungsfonds) und EZB (Europäische Zentralbank) – gewähren Mitgliedstaaten der Eurozone Kredite, wenn sich diese zu Reformen verpflichten. Grundlage dieser Vereinbarung ist das Vertrauen.

    Konflikte entstehen, wenn der Sparkurs zu mehr Verschuldung führen, d.h. Schulden zurückgezahlt werden und keine ausreichende Förderung der Wirtschaft und keine Strukturreformen erfolgen. Voraussetzung für einen Aufschwung scheint zu sein, dass die Regierung die richtigen Weichen stellt und die Bevölkerung die Reformen bejaht und unterstützt (Irland, Spanien, Baltische Länder).

    Die Griechenland-Krise hat die Euro-Länder an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Deutlich wurden die Fehler bei der Gründung der Eurozone: Aufnahme auch von Ländern mit mangelhaften staatlichen Strukturen und das Fehlen von Kontrollen.

    Der Euro sollte die Union stärken. De facto ist die Integration in ein Dilemma geraten: Die einzelnen Euro-Staaten sind allein für ihr Budget verantwortlich, doch das ist unvereinbar mit einer gemeinsamen Währung, die nationale ökonomische Spannungen nicht mehr ausgleichen kann. Außerdem: Im Krisenfall greift die Gemeinschaft in die Souveränität eines Staates ein, indem sie Reformen im sozialen Bereich, in Verwaltung, bei Steuern, Privatisierungen usw. diktiert. Mehr Integration wäre nötig, doch in Wirklichkeit sehen die Staaten wieder stärker auf ihre nationalen Interessen.

  • Generation Praktikum
  • Wer nach dem Studium keine Anstellung findet, entscheidet sich meist für ein Praktikum. Oft reiht sich ein Praktikum ans nächste, und man spricht von der Generation Praktikum. Kritisiert wird außerdem, dass Praktikanten oft als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Gefordert werden ein Mindestlohn und eine gesetzlich festgeschriebene Dauer. Allerdings löst ein Gesetz das Problem nicht, denn der Praktikant muss seine Chance in der Arbeitswelt suchen und sei es auch nur in Form eines Teilzeitjobs. Abhilfe können nur Betriebe auf der Grundlage einer positiven Wirtschaftsentwicklung schaffen.

  • Gentrifizierung
  • Die Gentrifizierung ist die Umwandlung von Wohn- raum in Luxuswohnungen. Diese Entwicklung ist besonders in den Großstädten, vor allem Berlin, zu beobachten. Dadurch werden Wohnungen, die die Allgemeinheit bezahlen kann, dem Wohnungsmarkt entzogen. Bezahlbare Wohnungen werden knapper und die Mieten steigen. Wohnungen dürfen zum Teil nicht gewerblich genutzt werden.

  • Geo Forschungs Zentrum (GFZ) Potsdam
  • Potsdam, südwestlich von Berlin gelegen, hat einen ausgezeichneten Ruf als geowissenschaftlicher Standort. Das GFZ wurde 1992 gegründet; Vorgänger waren ein Institut der Preußischen Akademie der Wissenschaften und das Zentralinstitut für Physik der Erde, ein Institut der Akademie der Wissenschaften der DDR. Träger ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Land Brandenburg.

    Projekte:

    1. Entwickl ung von Satelliten,
    2. Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems für Indonesien und den östlichen Indischen Ozean. Seit November 2005 wurde unter deutscher Leitung das Frühwarnsystem - German Indonesian Tsunami Early Warning System (GITEWS) - in der geologisch kritischsten Zone des Indischen Ozeans, dem Sunda-Bogen, in Indonesien installiert. Genau drei Jahre später, am 11. November 2008 wurde der Pilotbetrieb aufgenommen. Das GITEWS trägt ab sofort entscheidend zum Schutz vor Naturkatastrophen wie Tsunamis bei. In die Entwicklung des Systems sind u.a. Erkenntnisse aus der Erdbebenforschung eingeflossen.
    3. Untersuchung des Vulkans Merapi auf Java.
  • Geregelte Einwanderung
  • Zu Seite 21: Einwanderung in der Zukunft

    Illegale Einwanderung könnte durch bessere Programme für legale Arbeitsmigration reduziert werden. Die Wirtschaft und die Handelskammern fordern ein deutsches Zuwanderungssystem, das Qualifikation, Berufserfahrung, Alter, Sprachkenntnisse und Erfordernisse des Arbeitsmarktes berücksichtigt. Auch Asylsuchende, die eine Qualifikation vorweisen können oder eine Ausbildung machen wollen, sollten schneller ein Aufenthaltsrecht bekommen. Ein solches System wäre ein starkes Signal, dass Menschen in Deutschland willkommen sind.

  • Gesamtschule
  • Vor dreißig Jahren wurden die ersten Gesamtschulen eingerichtet. Deutschland blieb aber lange das Land mit der Vormittagsschule. Schüler gehen mittags nach Hause; ihnen bleibt überlassen, wann sie ihre Schularbeiten erledigen und wie sie ihre Freizeit gestalten. Nach den PISA-Studien, in denen Schüler in Deutschland überraschend schlecht abschnitten, kam Bewegung in die Schule und in die Politik. Der Bund richtet 5000 neue Ganztagsschulen ein und stellt vier Milliarden Euro für den Ausbau zur Verfügung. Jede vierte Schule soll in den nächsten Jahren ganztags geöffnet sein.

    Eltern werden so Beruf und Familie besser miteinander in Einklang bringen können. Die Kinder können individuell gefördert werden. Mehr Zeit zum Lernen ist das Motto.

    Damit ist auch der ideologische Streit beigelegt: SPD und Konservative sind auf einer Linie und erkennen die Vorteile dieser Schulform an.

  • Girls´ Day
  • Girls´ Day ist ein bundesweiter Berufsorientierungstag für Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren, der seit 2001 durchgeführt wird. Zu Beginn machten 140 Schülerinnen mit, heute sind es rund 140 000 Mädchen, die sich für technische und naturwissenschaftliche Berufe und für das Handwerk interessieren und in Betriebe und Firmen hineinschnuppern.

    Ziel ist es, Chancengleichheit herzustellen, Mädchen für Berufe außerhalb der typischen, zum Teil schlechter bezahlten Beschäftigungen zu interessieren und auch um Talente zu fördern und Fachkräfte auszubilden.

    Der Girls´ Day ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Initiative D21, der Bundesagentur für Arbeit, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, des Deutschen Industrie- und Handelstages, des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

    Der Girls´ Day hat seinen Ursprung in der USA, wo eine vergleichbare Initiative 1993 startete.

  • googeln
  • er/sie googelt, googelte, hat gegoogelt. Umgangssprachlich häufig gebrauchtes Verb. Bedeutung: etwas mit Google im Internet suchen.

  • Grüne Gentechnik
  • Zu Seite 152: Neue Technologien

    Der Streit um die grüne Gentechnik hat in der Vergangenheit zu handgreiflichen Aktionen auf den Versuchsfeldern geführt. Heute ist die Diskussion nicht verstummt: Kritiker befürchten große Risiken, Befürworter sehen das Welthungerproblem gelöst. Jetzt wurde ein Kompromiss gefunden: In der EU wird es keine einheitliche Regelung geben. Es wird nur noch geprüft, ob eine Pflanze gefährlich ist oder nicht. Jedes Mitgliedsland soll dann selbst entscheiden, ob es eine Zulassung geben wird oder nicht. Zurzeit gibt es in Deutschland keinen Anbau gentechnikveränderter Pflanzen. Wegen der guten Böden gibt es dazu auch keine Notwendigkeit.

    Immer wieder wird aber darauf hingewiesen, dass in importierten Futtermitteln und Futterzusätzen gentechnisch veränderte Pflanzen wie Soja, Mais oder Zuckerrüben enthalten sind. Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Eier kommen dadurch mit Gentechnik in Kontakt. Ein geringer Anteil von Gentechnik ist deshalb erlaubt.

    In Deutschland gibt es kaum Produkte, die als gentechnisch verändert bezeichnet sind, weil Verbraucher sie sofort ablehnen und nicht kaufen würden.

    Bei Produkten mit der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ ist Gentechnik verboten. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es auch hier nicht.

  • Große Koalition (genannt GROKO)
  • Zu Seite 84: Das parlamentarische Regierungssystem

    Nach der Bundestagswahl im September hat es ein Vierteljahr gedauert, bis die neue Regierung stand. Ergebnis: Eine große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD. Große Koalitionen gab es bereits zwei Mal: 1966-1969 und 2005-2009. Sie werden gebildet, wenn es keine klaren Mehrheiten gibt. Dann bilden die beiden größten Parteien eine Regierung.

    Große Koalitionen sind bei den Politikern unbeliebt, da zum Teil schmerzliche Kompromisse geschlossen werden müssen, die den Versprechungen vor der Wahl widersprechen können. Bei den Wählern sind Große Koalitionen dagegen eher beliebt, da gemeinsame Positionen ausgearbeitet werden und Parteienstreit vermieden wird.

    Die Übermacht der beiden großen Volksparteien birgt die Gefahr, dass die Opposition – derzeit die Linke und die Grünen mit 20% Stimmenanteil – im Parlament wenig Einfluss hat. Im Koalitionsvertrag wird jedoch extra auf die eigenen Rechte der parlamentarischen Minderheit hingewiesen, wie das Einbringen von Einwänden, Vorschlägen und konkrete Alternativen. Über weitergehende Rechte, wie z.B. die Einrichtung von Untersuchungsausschüssen, wird noch beraten.

  • Großes ß
  • Das ß (Eszett) ist erwachsen geworden. Seit dem 19. Jahrhundert wurde darüber diskutiert und am 29. Juli 2017 war es soweit: Das große ß ist Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung geworden. ß kommt nie am Anfang eines gedruckten Wortes vor und damit stellt sich am Wortanfang auch nicht die Frage der Großschreibung. Wenn aber ein ganzes Wort mit Großbuchstaben geschrieben wird, zum Beispiel "STRAßE, dann wurde bisher statt des fehlenden großen ß Doppel-s geschrieben also "STRASSE". Nun vermeidet die Verwendung des großen ß Missverständnisse bei der Schreibung von Namen in offiziellen Dokumenten und passt auch optisch besser in die Buchstabenfolge.