Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die "Landeskunde Deutschland 2018", die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

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  • Marx heute
  • Zu Seite 50: Rheinland-Pfalz

    Nach dem Scheitern des Sozialismus wurde es still um den großen Denker. Ende der 60er-Jahre und in den 70er-Jahren hatte er noch eine ganze Studentengeneration ideell aufgewühlt. Seit dem Jahr 2017 ist "Das Kapital", sein Hauptwerk, in der Welt, das sind 150 Jahre. 2018 ist wiederum ein Jubiläumsjahr: Vor 200 Jahren wurde Karl Marx am 05. Mai 1818 in Trier geboren. Erschienen ist nun eine neue Biografie, die seine ökonomischen Theorien erläutert und mit den Krisen zu Beginn des 21. Jahrhunderts konfrontiert. Karl Marx wird dargestellt als "Augenöffner" für die Krisen des Kapitalismus, der uns noch viel zu sagen hat. (Jürgen Neffe: Marx Der Unvollendete, München 2017)

  • Miese machen (ugs.)
  • Salopper Ausdruck für: Minus machen, Defizit machen. Beispiel: Der Händler hat viele Monate Miese gemacht und musste dann schließen. Er war lange in den Miesen.

    Adjektiv mies = schlecht. Beispiel: Peter hat wieder ganz miese Stimmung.

    Siehe auch miesmachen = schlecht machen

  • Migrationshintergrund
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    Der Begriff bezeichnet alle Einwanderer und deren Kinder.

    Das Statistische Bundesamt fasst als Gruppe zusammen: „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil.“

  • Mindestlohn
  • Zu Seite 138: Arbeitgeber und Arbeitnehmer

    Der gesetzliche Mindestlohn von Euro 8,50 wird zum 1. Januar 2015 eingeführt. Ausnahmen wird es für Jugendliche unter 18 Jahren geben: Jugendliche sollen nicht eine Euro-8,50-Stelle annehmen und auf eine Ausbildung verzichten. Ausgenommen sind auch Praktikanten: Wer als Schüler oder Student ein Praktikum macht oder zu einer Ausbildung verpflichtet ist, muss keinen Mindestlohn bekommen.

    21 von 28 EU-Staaten haben zurzeit einen Mindestlohn. Der reicht von Euro 1,04 in Bulgarien zu Euro 11,10 in Luxemburg.

    Naturgemäss sind die Reaktionen auf die Einführung des Mindestlohns unterschiedlich: Wirtschaftverbände befürchten den Verlust von ca. 200.000 Arbeitsplätzen, besonders in der Gastronomie; der Deutsche Gewerkschaftsbund hält diese Warnungen für haltlos.

  • Mindestlohn
  • der Mindestlohn, die Mindestlöhne: Für bestimmte Branchen wurde ein tariflich festgelegter Mindestlohn im Entsendegesetz festgelegt. Dazu gehört vor allem das Baugewerbe sowie Maler, Lackierer und Dachdecker. Zuletzt wurden die Mitarbeiter von Gebäudereinigungsfirmen aufgenommen.
    Der Mindestlohn ist ein Instrument gegen Lohndumping und Billigkonkurrenz aus dem Ausland. Er wird im Allgemeinen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt. Die Mindestlöhne in Osten sind niedriger als die im Westen: z.B. haben die Gebäudereiniger im Osten Anspruch auf mindestens € 6,36 und im Westen auf € 7,87.
    Im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern mit flächendeckenden Mindestlöhnen hat Deutschland keine branchenübergreifende Regelung.

    Die Auswirkungen von Mindestlöhnen ist umstritten: Gegner befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen durch Rationalisierung. Befürworter sehen in Mindeststundenlöhnen von durchschnittlich € 7,50 eine Entwicklung in die richtige Richtung: Die Mindestlöhne müssten dabei schrittweise auf mindestens € 9,00 steigen, damit Arbeitnehmer von ihrer Arbeit leben können.

  • MINT-Fächer
  • Das sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Mit dem MINT-Prinzip sollen Schüler verstärkt in diesen vier Unterrichtsbereichen gefördert werden. An den Hochschulen ist zu beobachten, dass diese Studienfächer auch bei Frauen beliebter werden. Allerdings zeigen internationale Meinungsumfragen, so das DIW in Berlin (= Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), dass in neun von 17 analysierten Industriestaaten die Akzeptanz berufstätiger Frauen deutlich höher ist. In diesen aufgeschlossenen Gesellschaften werden Frauen mehr ermuntert zu studieren und ins Berufsleben einzusteigen.

  • Mitbestimmung
  • Es gibt drei Arten von Mitbestimmung: Mitbestimmung am Arbeitsplatz (siehe Betriebsverfassungsgesetz), im Betrieb (Betriebsrat, Personalrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung) und in Unternehmen (Aufsichtsrat in Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern). Die paritätische Regelung in Aufsichtsräten - 50% Arbeitnehmervertreter und 50% Anteilseigner - ist in Europa einmalig. Sie existiert seit genau 30 Jahren.

    Die Mitbestimmung ist in einer globalisierten Welt internationaler Konzerne nicht unumstritten. Eine Reform wird diskutiert, ist aber nicht in Sicht. Der Allianz-Konzern - in Zukunft in der Rechtsform Europa-AG - fand folgende Lösung: 12 Aufsichtsräte (statt normalerweise 20), also je 6; auf der Arbeitnehmerseite drei deutsche Aufsichtsräte, ein Vertreter der Gewerkschaft Verdi und je ein Aufsichtsrat aus Frankreich und Großbritannien.

  • Mitgliederbefragung
  • Zu Seite 84: Das parlamentarische Regierungssystem

    Die Parteispitze der SPD (= Sozialdemokratische Partei Deutschlands) hat ihre 474.820 Mitglieder befragt, ob sie Ja oder Nein zu einer Großen Koalition mit der CDU (= Christlich Demokratische Union) und CSU (= Christlich Soziale Union) sagen. Ohne die Zustimmung der Basis wäre die Regierungskoalition nicht zustande gekommen.

    Dieses Verfahren, das Zeit und auch relativ viel Geld gekostet hat, hat Ablehnung, aber auch viel Zustimmung gefunden: Ablehnung wegen des Aufwands und der hohen Kosten, Zustimmung dagegen für ein Instrument der innerparteilichen Mitbestimmung. Auf jeden Fall hat sie der Partei den Rücken gestärkt. Inwieweit das Verfahren Schule machen wird, bleibt offen.

  • Mittelschule
  • Weiterführende Schulform im Bundesland Sachsen nach der 4-jährigen Grundschule. Zweigliedriges Schulsystem: Mittelschule und Gymnasium.

  • Multi-Jobber
  • der Multi-Jobber, die Multi-Jobber: Wer in Teilzeit arbeitet, verdient meist nicht genügend, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele entscheiden in dieser Situation für einen Zweit- oder Drittjob: z.B. der Schreiner (Tischler), der einen Zweitjob als Fahrer hat und manchmal auch noch Prospekte austrägt. Es gibt aber auch Multi-Jobber, die eine zweite Chance suchen: z.B. die Krankenpflegerin, die einen 400 Euro-Job hat, daneben aber genügend Zeit, um ein Kunst-Studium aufzunehmen. Berufziel: Graphikerin.