Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die "Landeskunde Deutschland 2018", die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
  • Rückbau
  • Bedeutet "Abriss " oder "Verschrottung ". Gerade in letzter Zeit gibt es bekannte Beispiele für einen Rückbau.

    Ab Februar 2006 bis Dezember 2008 wurde der Palast der Republik in Berlin, vor der Wiedervereinigung Sitz der Volkskammer und Kulturhaus der DDR, schrittweise rückgebaut, d.h. nach und nach abgetragen. Auf dem zentralen Platz in der Mitte Berlins soll das Humboldt-Forum entstehen.

    Auch Atomanlagen können rückgebaut werden. Der Rückbau des Reaktors Niederaichbach dauerte von 1987 bis 1995 und war das erste Beispiel für den Abriss eines Atomkraftwerks in Europa.

  • Radfahrboom
  • Zu Seite 150: Verkehrswege

    Noch immer nehmen private Autos und Motorräder 80% des Personenverkehrs ein. Durch Landflucht wachsen die Städte und der Verkehr nimmt zu. Post- und Paketdienste stellen bereits auf E-Fahrzeuge um und die Städte organisieren eine verbesserte Verkehrslenkung, um einen Kollaps zu verhindern. Um den Autoverkehr zu begrenzen, fördern die Städte die Radkultur und den Ausbau von Radwegen. Der Fahrradverkauf boomt und Radfahren gilt für viele als gesund, klimaschonend und ganz einfach als "angesagt". Ein Auto zu besitzen ist für viele junge Leute nicht mehr zwingend, öffentlich + Fahrrad + gelegentlich ein Leihwagen ist die Alternative. Damit das Fahrrad in den staugeplagten Städten seinen Platz bekommt, muss aber noch viel passieren: vor allem bessere Fahrradwege, damit das Unfallrisiko sinkt. Dass dem Auto Platz weggenommen werden muss, ist allerdings für begeisterte Autofahrer eine Schreckensvision.

  • Reformpolitik
  • Das 21. Jahrhundert begann mit einer Reformpolitik, die zu einem Umbau des Staates führen wird. Geändert haben sich die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, wozu die Globalisierung, die demographische Entwicklung (das Verhältnis Alt und Jung) und der Arbeitsmarkt gehören. Den Sozialsystemen - der Renten- und Krankenversicherung - würde ohne Reformen in naher Zukunft der Kollaps drohen.

    Die Reformvorhaben betreffen

    • die Sozialversicherungssysteme
    • die Steuerpolitik (Unternehmenssteuer)
    • den Arbeitsmarkt
    • das Bildungssystem (Dezentralisierung durch die Föderalismusreform)
    • die Gesundheitspolitik

    Reformen werden zwischen Politik und gesellschaftlichen Gruppen diskutiert, vorbereitet, verworfen oder auf den Weg gebracht. Kein Zweifel besteht darin, dass die derzeitigen Reformvorhaben umfassender sein müssen als die früheren Sozialreformen. Die Kernfrage der Auseinandersetzungen zwischen den Parteien und den gesellschaftlichen Gruppen ist die Frage der Gerechtigkeit und der sozialen Verträglichkeit.

  • Renationalisierung
  • Zu Seite 90: Europa

    Die Renationalisierung der Europäischen Union ist seit dem Scheitern einer gemeinsamen Asylpolitik und der Flüchtlingsproblematik zu einem viel diskutierten Thema geworden. Rechtspopulistische und nationalkonservative Akteure befürworten eine Rückführung von europäischen Kompetenzen auf die Mitgliedstaaten. Ihr Argument ist der Vorrang einer Identität von Sprache und Kultur. Ziel ist die Wiedergewinnung demokratischer Legitimität im Nationalstaat. Ihr Schlagwort ist das "Europa der Vaterländer". Die wichtigsten Vertreter dieser Politik sitzen im EU-Parlament in der Fraktion für ein Europa der Nationen und der Freiheit. Parteien wie der Front National in Frankreich und Parteien in mehreren EU-Staaten sind Vertreter dieser rechtspopulistischen Politik.

    Wie würden die Folgen aussehen? Bedroht sind die supranationalen Institutionen wie das Europa-Parlament und die Unionsbürgerschaft. Das Recht, in einem anderen EU-Land sich aufzuhalten und zu arbeiten, Gleichbehandlung und Nicht-Diskriminierung und vieles mehr wären in Gefahr. Export und Tourismus würden unter Grenzkontrollen leiden, Arbeitslosenzahlen würden demzufolge steigen, geltende Standards in einer globalen Weltwirtschaft wären nicht mehr zu halten.

    Ein auf Kultur gegründetes Identitätsverständnis würde zu Konflikten führen (siehe Belgien, Spanien, der Balkan, überhaupt in multikulturellen Staaten), zu Isolierungstendenzen und Gebietsansprüchen. Nicht umsonst hat das vereinte Europa Jahrzehnte des Friedens gebracht. Vertreter der Idee des Nationalstaates (historisch realisiert seit dem 17. Jahrhundert) streben ökonomische Autarkie und Unabhängigkeit von anderen Staaten an. Durchgesetzt hat sich im 21. Jahrhundert dagegen die Erkenntnis, dass Vernetzung und Internationalisierung zukunftweisend sind, um Lebensverhältnisse zu verbessern und den Frieden zu sichern. Dass in der Gegenwart allerdings nicht alles glänzt, ist wohl bekannt, z.B. das Schrumpfen der Mittelschicht, die Schere zwischen Arm und Reich. Hier sind aber Politiker gefragt, die richtigen Weichen stellen.

  • Richtlinie Natur 2000
  • Die Richtlinie Natur 2000 hat zum Ziel, innerhalb Europas ein miteinander verbundenes Netz von Schutzflächen auszuweisen.

  • Ruhr-Pott
  • Weit verbreitete, umgangssprachliche Bezeichnung für das Ruhrgebiet, den größten Ballungsraum Deutschlands und den fünftgrößten Europas. Es ist nach dem Fluss Ruhr genannt. Neben Ruhr-Pott (von Pütt für Bergwerk) ist auch "Revier " geläufig. Im rheinischen Teil wird der Begriff "Rhein-Ruhr " verwendet. Mit der Auszeichnung als Kulturhauptstadt ist die Bezeichnung "Metropole Ruhr " entstanden.

  • Rundfunkbeitrag
  • Zu Seite 94: die Medien

    Den Rundfunkbeitrag zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zahlen alle Haushalte in Deutschland. In letzter Zeit war er umstritten. Angriffe wie "Lügenpresse", "Zwangsgebühren" oder "Staatsfernsehen" hatte die Auseinandersetzung vergiftet. Jetzt hat eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht Klarheit gebracht: Der Rundfunkbeitrag ist rechtmäßig. Ein Rückblick: Rundfunkgebühren gibt es seit über fünfzig Jahren. 2013 wurde diese Gebühr in einem Staatsvertrag als Rundfunkbeitrag, der Ländersache ist, festgelegt. Zurzeit beträgt er 17,50 monatlich pro Haushalt. Mit diesem Beitrag werden 22 Fernsehsender, 67 Radiosender und Online-Plattformen finanziert; u.a. ARD, ZDF, Deutschlandradio, aber nicht die Deutsche Welle, die steuerfinanziert ist. Das Verfassungsgericht hat die jahrelangen zahlreichen Angriffe auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgewehrt und festgestellt, dass der Beitrag keine weitere Steuer sei. Außerdem sei es rechtens, dass alle Haushalte, Single-Haushalte wie Familien, gleich behandelt werden. Jeder hätte dadurch die Möglichkeit, den Rundfunk über die verschiedensten Kanäle in Anspruch zu nehmen. Wichtig ist vor allem die Stärkung des Rundfunks als Orientierungshilfe gegenüber Streaming-Angeboten und digitalen Nachrichten, die im Netz überall verfügbar sind. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben die Aufgabe, Qualität zu liefern, sorgfältig zu recherchieren, Fakten und bloße Meinungen deutlich zu trennen, nicht zu verzerren und Sensationelles nicht in den Vordergrund zu rücken. In Zeiten von Fake News ist dies ein beruhigender Schritt. Die Mehrheit der Bevölkerung hat der Pflicht zum Beitrag in einer Umfrage im Mai 2018 zugestimmt.